Suche

Eleganz der Worte

Bücher. Gedanken. Inspiration.

Schlagwort

Geschichte

Alex Capus: Sehnsucht nach Leben

Ihr kennt das vielleicht auch: Buchgeschenke bergen oft ein gewisses Risiko. Zu unterschiedlich die Geschmäcker, zu groß die Bandbreite. Allerdings ergibt sich so auch die Möglichkeit, ein Buch zu schenken, das schon mehrfach umkreist, doch nie gekauft wurde. In meinem Fall handelt es sich um Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer von Alex Capus, dessen Retro-Cover mit der Frau am Hafen es mir schon längst angetan hatte. Geschenkt haben mir diesen Roman dann zwei Schweizer, vielleicht auch, weil das Buch in der Schweiz seinen Anfang nimmt. Weiterlesen „Alex Capus: Sehnsucht nach Leben“

Advertisements

Jonathan Safran Foer: Wortgewalt mit einem Hauch Typografie

Extrem laut und unglaublich nahMüsste ich die Frage beantworten, welches Buch mich nachhaltig beeindruckt hat, dann wäre es Extrem laut und unglaublich nah von Jonathan Safran Foer. Dies ist jedoch auch das Buch, an dem sich die Geister meiner Freunde am meisten scheiden, so wirklich scheiden. Ich liebe dieses Buch. Wirklich. Abgöttisch. Obwohl ich das Buch vor mittlerweile neun Jahren gelesen habe, damals auf Englisch, kann ich mich noch ganz genau erinnern, wie ich dieses Buch gelesen habe – das wiederum sagt eigentlich schon alles. Ich musste es nach wenigen Seiten immer wieder weglegen, um das Gelesene zu verstehen, sacken zu lassen. Das war kein einfacher Prozess, und auch langwierig, doch jede, wirklich jede Wiederaufnahme der Lektüre hat sich gelohnt. Weiterlesen „Jonathan Safran Foer: Wortgewalt mit einem Hauch Typografie“

Elisabeth Bacher: Brautkleid ist nicht gleich Brautkleid

Elisabeth Bacher hat bei einer Lesung in der Buchhandlung meines Vertrauens, der Buchhandlung Recht-Ullrich, aus ihrem Hamburg-Krimi Ich vermisse dich nicht gelesen und mich mit der Kombination aus Hamburg, Psychologie und Geschichte direkt in ihren Bann gezogen. Das signierte Buch habe ich dann auch an einem regnerischen Sonntag in einem Rutsch weggelesen. Ich wollte es dann einfach wissen.

In die psychiatrische Abteilung der Hansa-Klinik wird eine junge Frau in einem blutverschmierten Brautkleid eingeliefert, die sich an nichts erinnern kann. Gar nichts. So wird sie bald, in Anlehnung an die Diagnose Amnesie, von allen Amelie genannt. So sehr sie auch versucht sich an ihre Vergangenheit, das Geschehene zu erinnern, da ist nichts außer Dunkelheit. Dann, urplötzlich, wird ein Psychotherapeut tot in der Klinik aufgefunden – mit einem absonderlichen Souvenir des Mörders an der Wand. Dies sei verraten: Es ist nicht der letzte Mord. Lange tappen alle im Dunkeln… auch ich… doch dann beginnt Amelie sich langsam zu erinnern.

Inmitten der aktuellen Geschehnisse gibt es immer wieder Einblendungen von den zarten Liebesbanden eines Mädchens und eines Jungen, die im Kontrast zu dem wirklich morbiden Hobby des Jungen stehen. Man ahnt sofort, dass es hier eine Verbindung zu Amelie (und den Mordfällen in der Klinik?!) gibt, aber inwiefern, wird erst sehr spät deutlich. Elisabeth Bacher schafft es äußerst geschickt, die Geschichten der anderen Patienten aus der psychiatrischen Abteilung so einzuflechten, dass man nie so recht weiß, wer ist nun dieser Junge und wer dieses Mädchen. Jemand aus der Klinik? Amelie?

Ja, Elisabeth Bacher hat einen Kriminalroman geschrieben, in dem es um Mord geht. Es ist jedoch ihr Blick für die Menschen und deren Geschichten, der diesen Roman in meinen Augen so besonders lesenswert macht – ganz genauso wie die gelungene Verbindung mit Hamburger Denkmälern wie der „Grausamen Gräfin“.

Neulich schrieb ich, dass ich eigentlich kein Krimi-Fan bin. So langsam jedoch finde ich Gefallen an Kriminalromanen, insbesondere an jenen mit regionalem Bezug und einer psychologischen Komponente, so wie „Ich vermisse dich nicht“.

Lieblingssatz: „Er war doch gestern noch topfit.“ (S. 22)

Elisabeth Bacher, Ich vermisse dich nicht, Salonlöwe Verlag, Mai 2013, ISBN: 978-394-4571010.

##

Foto: Salonlöwe Verlag

Viveca Sten: Blut. Wasser. Schweden.

Tödlicher MittsommerKrimis sind eigentlich nicht so mein Fall, da ich mich bei Büchern ungern grusele. Eigentlich grusele ich mich immer ungern. In Horrorfilme kriegte mich eine Freundin früher nur im Gegenzug zu einem Besuch im Programmkino, und einem leichten französischen Wohlfühlstreifen. Auf den ersten Blick passten Schweden, die Schären und Mord für mich überhaupt nicht zusammen. In meiner Vorstellung sind die Schäreninseln vor Stockholm Idylle pur. Bunte Häuser. Blauer Himmel. Freundliche Menschen. Ausschließlich. Zugegeben, ich war noch nie da, aber vor meinem geistigen Auge ist es dort ganz genau so. Die Kombination aus Idyll und Mord hat mich schließlich doch neugierig gemacht und da ich über Viveca Sten nur Gutes gehört habe, ließ ich mich auf das Abenteuer um Tödlicher Mittsommer ein.

Der erste Fall von Thomas Andreasson führte mich nach Sandhamn, eine kleine Insel im Schärengarten vor Stockholm, ein beliebtes Ferienziel. Es wird auch gar nicht lange gefackelt und nach wenigen Lesesekunden taucht die erste Leiche auf. Alles deutet auf einen Unfall hin und darüber sind eigentlich alle ganz froh, denn in Schweden ist gerade Urlaubszeit – und somit freut sich auch die Polizeidienststelle Nacka auf freie Tage, allen voran der sympathische aber eigensinnige Kriminalkommissar Thomas Andreasson. Doch dann gibt es eine weitere Leiche… und Thomas Andreasson hat wider Willen einen Fall am Hals. Bei seinen Ermittlungen trifft er auf Jugendfreundin Nora, die sich als ein nützlicher Sherlock Holmes entpuppt und dem Buch einen gefühlsbetonten, aber keinesfalls gefühlsduselingen Dreh gibt.

Ein Krimi lebt von Unwissenheit, daher will ich gar nicht mehr verraten. Nur soviel. Dieses Buch ist eine gelungene Mischung aus alten Freunden, Familienbanden, Natur pur – und natürlich Mord und Totschlag. Bei mir ist es nur eine Frage der Zeit bis ich mich wieder in den Schärengarten begebe. Zumindest in literarischer Form.

Lieblingssatz: „Weißt du, das ist eine Mahlzeit, die man normalerweise mittags zu sich nimmt“, sagte sie halb scherzend, halb ernst. (S. 313)

Viveca Sten, Tödlicher Mittsommer, Kiepenheuer & Witsch, 13. Auflage 2013, übersetzt von Dagmar Lendt, ISBN: 978-3-462-04311-2.

##

Foto: Kiepenheuer & Witsch

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: