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Eleganz der Worte

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Marie Malcovati: Nach allem was ich beinahe für dich getan hätte

MarieMalcovati_Nachallemwasichbeinahefürdichgetanhätte„Nach allem was ich beinahe für dich getan hätte“ von Marie Malcovati, erschienen bei der Edition Nautilus, ist in vielerlei Hinsicht ein wirklich ungewöhnlicher Roman:

  1. Zwei wildfremde Menschen sitzen auf einer Bank.
  2. Stundenlang.
  3. Ein Polizist der Kantonspolizei beobachtet sie.
  4. Ort des Geschehens ist ein Bahnhof.
  5. Was für ein Romandebüt.

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Benedict Wells: Gefühlsexplosion auf Papier

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Im Februar 2016 ist der neue Roman von Benedict Wells beim Diogenes Verlag erschienen: „Vom Ende der Einsamkeit“. In diesem Buch schreibt der 1984 geborene Autor über die Fragilität des Lebens – und den Versuch, am selbigen festzuhalten. Weiterlesen „Benedict Wells: Gefühlsexplosion auf Papier“

Jasmine Warga: Von schwarzen Löchern, die Hoffnung geben

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Es gibt sie einfach, diese Momente im Leben, in denen alles sinnlos scheint, in denen die Gefühle einem die Luft abdrücken, sich ein schwarzes Loch auftut. Und manchmal, da dauert dieser Moment eben länger, wobei die Gründe hierfür wirklich vielschichtig sein können. Die 16-jährige Aysel, Titelheldin in Mein Herz und andere schwarze Löcher von Jasmine Warga, kennt diese Momente. Weiterlesen „Jasmine Warga: Von schwarzen Löchern, die Hoffnung geben“

Will Schwalbe: Ein literarischer Abschied

Ein Buch über Bücher. Na klar, das geht immer, denn wie ihr schon gemerkt habt, bin ich ein großer Fan von Büchern über Bücher. Als Vertreter dieses Genres (ich weiß, literaturwissenschaftlich ist das nicht korrekt, aber ich bin ja nicht in der Uni) haben mich Die souveräne Leserin und 84, Cross Charing Road nachhaltig begeistert. Diese Werke haben eines gemein: Beide portraitieren das Lesen in vergnüglichen Zügen. Die Queen avanciert zur Leseratte und eine New Yorkerin zelebriert den Briefwechsel mit einem Londoner Antiquariat.

Einen ganz anderen Ansatz für ein Buch über Bücher wählt Will Schwalbe mit seinem 2012 erschienenen Roman An diesem Tage lasen wir nicht weiter. Na ja, eigentlich wird ihm dieser Ansatz auferlegt, denn sein Buch ist autobiografischer Natur. Weiterlesen „Will Schwalbe: Ein literarischer Abschied“

Alexa von Heyden: Wenn der Drache nicht aus dem Kopf verschwindet

 alexavonheyden_hinterdemblau_edenbooks_2013_coverIch ziehe meinen Hut vor Alexa von Heyden. Das muss ich ganz deutlich gleich zu Anfang sagen. In ihrem autobiografischen Roman Hinter dem Blau gewährt uns die Autorin einen Blick in ihre (zerrissene) Seele und ich kann mir nur im Ansatz vorstellen, was für eine Kraft das Schreiben dieses Buches gekostet haben muss. Sicherlich, Schreiben hilft bei der Verarbeitung von Erinnerungen, aber andere, fremde Leser daran teilhaben zu lassen – Chapeau! Für mich ist das der Inbegriff von Mut. Weiterlesen „Alexa von Heyden: Wenn der Drache nicht aus dem Kopf verschwindet“

Alex Capus: Sehnsucht nach Leben

Ihr kennt das vielleicht auch: Buchgeschenke bergen oft ein gewisses Risiko. Zu unterschiedlich die Geschmäcker, zu groß die Bandbreite. Allerdings ergibt sich so auch die Möglichkeit, ein Buch zu schenken, das schon mehrfach umkreist, doch nie gekauft wurde. In meinem Fall handelt es sich um Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer von Alex Capus, dessen Retro-Cover mit der Frau am Hafen es mir schon längst angetan hatte. Geschenkt haben mir diesen Roman dann zwei Schweizer, vielleicht auch, weil das Buch in der Schweiz seinen Anfang nimmt. Weiterlesen „Alex Capus: Sehnsucht nach Leben“

Jonathan Safran Foer: Wortgewalt mit einem Hauch Typografie

Extrem laut und unglaublich nahMüsste ich die Frage beantworten, welches Buch mich nachhaltig beeindruckt hat, dann wäre es Extrem laut und unglaublich nah von Jonathan Safran Foer. Dies ist jedoch auch das Buch, an dem sich die Geister meiner Freunde am meisten scheiden, so wirklich scheiden. Ich liebe dieses Buch. Wirklich. Abgöttisch. Obwohl ich das Buch vor mittlerweile neun Jahren gelesen habe, damals auf Englisch, kann ich mich noch ganz genau erinnern, wie ich dieses Buch gelesen habe – das wiederum sagt eigentlich schon alles. Ich musste es nach wenigen Seiten immer wieder weglegen, um das Gelesene zu verstehen, sacken zu lassen. Das war kein einfacher Prozess, und auch langwierig, doch jede, wirklich jede Wiederaufnahme der Lektüre hat sich gelohnt. Weiterlesen „Jonathan Safran Foer: Wortgewalt mit einem Hauch Typografie“

Hjorth & Rosenfeldt: Liebe und Furcht

Es ist passiert. Ich bin Krimifan. Ein riesiger Krimifan. Beinahe schon süchtiger Krimifan. Einfach so. Es mag daran liegen, dass ich ausschließlich richtig gute Krimis in die Finger bekommen habe. Wirklich. Bei der schwedischen Nacht vom Hamburger Krimifestival Ende Oktober zum Beispiel wurde ich von äußerst sympathischen und klugen Autoren – dem Autorenduo Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt sowie Ann Rosmann – aus Schweden so gut unterhalten, dass ich mich direkt am Büchertisch einreihte. Ihre Erzählungen hatten mich gefesselt, nur im übertragenen Sinn natürlich, in einem Krimi weiß man schließlich nie. Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt haben ihren dritten Roman mit dem Kriminalpsychologen Sebastian Bergman vorgestellt – „Die Toten, die niemand vermisst“. Aus den Ausführungen schloss ich, dass es nicht schaden würde, mit dem ersten Buch zu beginnen, und damit lag ich goldrichtig. Weiterlesen „Hjorth & Rosenfeldt: Liebe und Furcht“

Viveca Sten: Blut. Wasser. Schweden.

Tödlicher MittsommerKrimis sind eigentlich nicht so mein Fall, da ich mich bei Büchern ungern grusele. Eigentlich grusele ich mich immer ungern. In Horrorfilme kriegte mich eine Freundin früher nur im Gegenzug zu einem Besuch im Programmkino, und einem leichten französischen Wohlfühlstreifen. Auf den ersten Blick passten Schweden, die Schären und Mord für mich überhaupt nicht zusammen. In meiner Vorstellung sind die Schäreninseln vor Stockholm Idylle pur. Bunte Häuser. Blauer Himmel. Freundliche Menschen. Ausschließlich. Zugegeben, ich war noch nie da, aber vor meinem geistigen Auge ist es dort ganz genau so. Die Kombination aus Idyll und Mord hat mich schließlich doch neugierig gemacht und da ich über Viveca Sten nur Gutes gehört habe, ließ ich mich auf das Abenteuer um Tödlicher Mittsommer ein.

Der erste Fall von Thomas Andreasson führte mich nach Sandhamn, eine kleine Insel im Schärengarten vor Stockholm, ein beliebtes Ferienziel. Es wird auch gar nicht lange gefackelt und nach wenigen Lesesekunden taucht die erste Leiche auf. Alles deutet auf einen Unfall hin und darüber sind eigentlich alle ganz froh, denn in Schweden ist gerade Urlaubszeit – und somit freut sich auch die Polizeidienststelle Nacka auf freie Tage, allen voran der sympathische aber eigensinnige Kriminalkommissar Thomas Andreasson. Doch dann gibt es eine weitere Leiche… und Thomas Andreasson hat wider Willen einen Fall am Hals. Bei seinen Ermittlungen trifft er auf Jugendfreundin Nora, die sich als ein nützlicher Sherlock Holmes entpuppt und dem Buch einen gefühlsbetonten, aber keinesfalls gefühlsduselingen Dreh gibt.

Ein Krimi lebt von Unwissenheit, daher will ich gar nicht mehr verraten. Nur soviel. Dieses Buch ist eine gelungene Mischung aus alten Freunden, Familienbanden, Natur pur – und natürlich Mord und Totschlag. Bei mir ist es nur eine Frage der Zeit bis ich mich wieder in den Schärengarten begebe. Zumindest in literarischer Form.

Lieblingssatz: „Weißt du, das ist eine Mahlzeit, die man normalerweise mittags zu sich nimmt“, sagte sie halb scherzend, halb ernst. (S. 313)

Viveca Sten, Tödlicher Mittsommer, Kiepenheuer & Witsch, 13. Auflage 2013, übersetzt von Dagmar Lendt, ISBN: 978-3-462-04311-2.

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Foto: Kiepenheuer & Witsch

Katherine Pancol: Eine Familie. Ihre Geheimnisse.

Als ich Die gelben Augen der Krokodile von Katherine Pancol sah, sprach mich zuerst der Titel an, irgendwie geheimnisvoll, dann das Buchcover, eine Frau, die sich eine rote Strickmütze über den Kopf zieht. Dahinter eine Geschichte über zwei sehr unterschiedliche Schwestern und die Wirren einer Buchveröffentlichung – gekauft.

Joséphine ist die graue Maus der Familie, Iris der helle Stern. Zwei Schwestern, die ungleicher nicht sein könnten. Mit Ehemännern. Kindern. Joséphine wird von ihrem Mann verlassen, Iris befürchtet das gleiche Schicksal. Manchmal ist ersteres besser, deutlich besser… Die Geschichte entwickelt sich langsam, es kommen immer neue Charaktere hinzu, so z.B. Marcel & Josaine, bei denen der Leser erst später erkennt, dass auch sie in das Familiengefüge um Joséphine und Iris gehören. Man glaubt, die Charaktere nach einer Weile zu kennen, nur, um dann festzustellen, dass man dies nicht tut. Ganz und gar nicht. Hinter jeder Figur verbirgt sich eine eigene Geschichte, ein Geheimnis, und ich konnte nicht umhin, mich über den ein oder anderen unangenehmen „Schicksalsschlag“ zu freuen. Nur wo es gerechtfertigt war, natürlich.

Dieser Familienroman hat es in sich. Ein spannendes Geflecht aus Wahrheit und Täuschung. Raffiniert. Gefühlvoll. Böse.

Lieblingssatz: „Du kotzt mich an, Maman!“

Katherine Pancol, Die gelben Augen der Krokodile, btb Verlag, 3. Auflage Dezember 2012, übersetzt von Nathalie Lemmens, ISBN: 978-3-442-74498-5.

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Foto: btb Verlag

Shilpi Somaya Gowda: Zwei Kontinente. Verbunden. In Liebe und Schmerz.

Geschichten, in denen sich die Leben von ganz verschiedenen Menschen miteinander verweben, faszinieren mich schon lange. Geheime Tochter von Shilpi Somaya Gowda ist so eine Geschichte und schafft es auf berührende – und dabei ganz und gar unkitschige – Weise, das Herz zu streicheln.

Kavita bringt 1984 in Indien ein Mädchen zur Welt und entscheidet sich schweren Herzens, dieses Baby in ein Waisenhaus zu bringen. Währenddessen versucht Somer in den USA verzweifelt schwanger zu werden. Gefühlvoll wird schon hier – im tiefen, fast unerträglichen Schmerz – eine erste (unsichtbare) Verbindung zwischen den beiden Frauen geknüpft.

Auf den wundervoll geschriebenen Seiten wird die Geschichte von Kavita und Somer erzählt und damit auch von Asha, Jasu, Krishnan und Vijay. Den – hoffentlich zahlreichen – Lesern eröffnen sich dabei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch untrennbar miteinander verbunden sind. In Liebe und Schmerz.

Als das Jahr 2009, und damit die letzte Seite erreicht war, mochte ich das Buch gar nicht aus der Hand legen. So herrlich unaufgeregt und wunderbar bewegend war das Leseerlebnis. Ihr müsst es einfach lesen. Wirklich. Bei einer Tasse guten Kaffee.

Lieblingssatz: „Die Worte und Zahlen prallen in Ashas Kopf gegeneinander wie Billardkugeln.“

Shilpi Somaya Gowda, Geheime Tochter, Kiepenheuer & Witsch, 7. Auflage 2012, übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Zimmermann, ISBN: 978-3-462-04445-4.

Tom Rachman: Die perfekten „Unperfekten“

Die UnperfektenIn deutschen Buchläden hatte ich das Buch gar nicht entdeckt, in den Bücherregalen von Freunden auch nicht. Dafür musste ich erst nach Kopenhagen fahren, wo ich das Buch von einer bezaubernden Freundin empfohlen bekam. Ich weiß nun (noch mehr), warum sie in einer Bibliothek arbeitet. Sie hat es einfach drauf. Das Buch ist ein Hit. Echt.

In Die Unperfekten zieht Autor Tom Rachman den Leser in eine Welt aus bunten Geschichten, im Mittelpunkt steht eine internationale englischsprachige Zeitung mit Sitz in Rom. Man trifft Lloyd Burko, der irgendwie verlernt hat, gute Storys zu schreiben und es – man muss fast sagen leider – nicht hinkriegt, eine erfundene Geschichte unterzukriegen. Arbeit ist nicht alles, okay, aber familiär läuft es auch nicht rund. Gleich zu Anfang wird so mit immenser Wortgewalt spürbar, was Tom Rachman mit seinem Buchtitel meint, den Unperfekten. So überrascht es nicht, dass ich einen gewissen Snyder am liebsten aus dem Buch gezogen und meine Meinung gegeigt hätte. So wie manchem anderen Charakter auch.

Ich bin komplett begeistert, wie Tom Rachman es schafft, die Charaktere zu (über)zeichnen, so dass man sich ihnen – trotz aller Unperfektheit – verbunden fühlt. In Liebe und Hass. Da ist es fast schade, dass die Zeitung den Bach runtergeht… gefühlt, weil Schopenhauer wichtiger ist.

Lieblingssatz: „Erzähl mir mal eins, Miss Buchhaltung.“

Tom Rachman, Die Unperfekten, dtv premium, 2. Auflage 2012, übersetzt von Pieke Biermann, ISBN: 978-3-423-14097-3.

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Foto: dtv premium

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