Elisabeth Bacher hat bei einer Lesung in der Buchhandlung meines Vertrauens, der Buchhandlung Recht-Ullrich, aus ihrem Hamburg-Krimi Ich vermisse dich nicht gelesen und mich mit der Kombination aus Hamburg, Psychologie und Geschichte direkt in ihren Bann gezogen. Das signierte Buch habe ich dann auch an einem regnerischen Sonntag in einem Rutsch weggelesen. Ich wollte es dann einfach wissen.

In die psychiatrische Abteilung der Hansa-Klinik wird eine junge Frau in einem blutverschmierten Brautkleid eingeliefert, die sich an nichts erinnern kann. Gar nichts. So wird sie bald, in Anlehnung an die Diagnose Amnesie, von allen Amelie genannt. So sehr sie auch versucht sich an ihre Vergangenheit, das Geschehene zu erinnern, da ist nichts außer Dunkelheit. Dann, urplötzlich, wird ein Psychotherapeut tot in der Klinik aufgefunden – mit einem absonderlichen Souvenir des Mörders an der Wand. Dies sei verraten: Es ist nicht der letzte Mord. Lange tappen alle im Dunkeln… auch ich… doch dann beginnt Amelie sich langsam zu erinnern.

Inmitten der aktuellen Geschehnisse gibt es immer wieder Einblendungen von den zarten Liebesbanden eines Mädchens und eines Jungen, die im Kontrast zu dem wirklich morbiden Hobby des Jungen stehen. Man ahnt sofort, dass es hier eine Verbindung zu Amelie (und den Mordfällen in der Klinik?!) gibt, aber inwiefern, wird erst sehr spät deutlich. Elisabeth Bacher schafft es äußerst geschickt, die Geschichten der anderen Patienten aus der psychiatrischen Abteilung so einzuflechten, dass man nie so recht weiß, wer ist nun dieser Junge und wer dieses Mädchen. Jemand aus der Klinik? Amelie?

Ja, Elisabeth Bacher hat einen Kriminalroman geschrieben, in dem es um Mord geht. Es ist jedoch ihr Blick für die Menschen und deren Geschichten, der diesen Roman in meinen Augen so besonders lesenswert macht – ganz genauso wie die gelungene Verbindung mit Hamburger Denkmälern wie der „Grausamen Gräfin“.

Neulich schrieb ich, dass ich eigentlich kein Krimi-Fan bin. So langsam jedoch finde ich Gefallen an Kriminalromanen, insbesondere an jenen mit regionalem Bezug und einer psychologischen Komponente, so wie „Ich vermisse dich nicht“.

Lieblingssatz: „Er war doch gestern noch topfit.“ (S. 22)

Elisabeth Bacher, Ich vermisse dich nicht, Salonlöwe Verlag, Mai 2013, ISBN: 978-394-4571010.

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Foto: Salonlöwe Verlag

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